Grillmaster Flash

Dieser Mann schafft es: Gleichzeitig Punk zu bleiben, Ironie an den Tag zu legen und trotzdem musikalisch ästhetisch zu bleiben und eine gewisse Form von Professionalität zu wahren, was sicherlich auch damit zu tun hat, das Grillmaster Flash seit irgendwann vor fünf Jahren oder mehr einen Plattenvertrag an Land gezogen hat und über eine eigene, sehr versierte Band verfügt, die Rock ‚N‘ Roll machen, mit Solos, mit coolen Basslinien und mit ansprechenden Rhythmen an den Drums.

„Grilli“ verkörpert den Prototypen des Heavy Metal und Punk-intubierten Dorf-Prolls, der mit einer Dose Bier in der Hand mit seinen Jungs irgendwo auf einem Festival vor seinem Zelt sitzt und eine humoristische Spitze nach der anderen raus haut. Proll sein ist komisch und kann zur Berufung werden, wie man sieht. Trotzdem beschleicht mich das leise Gefühl, das all dies konstruiert ist. Hinter der Fassade des Punks, der eine Metal-Kutte trägt, auf der aber keine Band-Aufnäher, sondern lediglich ein Alf-Anstecker steckt, wirkt ein Künstler, der sich wirklich Gedanken darüber macht, wie er bei seinen Fans ankommt und was für ein Image er verkörpern will. Ein Fan bin ich, und „Grilli“ behauptet trotz allem in einem seiner Songs, gar kein Image zu haben.

Ich wurde auf Grillmaster Flash bei einem Besuch auf der Grand Hotel van Cleef-Website aufmerksam, sein Label, Alter. Als ich das erste Mal „(Ich war noch nie) Rock ‚N‘ Roll“ gehört habe, dachte ich, er möchte Thees Uhlmann verarschen, denn Sound, Arrangement und Harmonien, so wie das Thema, der Text, der anfängt, als wenn er Grillis Lebenslauf beschreiben soll, erinnern an Uhlmann. Es geht los mit „Ich wurde geboren in einem Krankenhaus/medizinisch versorgt/als ein Baby von tausend“. Und dann kommt der Humor: „im Sommer ’83, wahrscheinlich war’s warm/meine Mutter war ’ne Frau und mein Vater ein Mann“. Solche Starts hat Uhlmann in seinen Songs auch schon hingelegt, nur eben nicht als Witz, sondern mit leichter Melancholie bei Erinnerungen an das, was mal war.

Diese Platte („Andere leude my Ass“) ist fünf Jahre her. Mittlerweile klingen auch schon mal ernstere Töne an. Auf „Stadion“, in dem Lied „Jonny gib(t) nicht auf“, beschreibt der Grillmaster offenbar seinen Kampf ums Überleben und Gehört-Werden als Rock ‚N‘ Roll-Songwriter und Interpret. Es gibt auch auf „Stadion“ wieder andere Nummern, aber viele sind fast schon ernsthaft. All dies macht das Cover von „Stadion“ irgendwie kaputt, das billig aussieht und auf dem der Künstler mit Bier und in Unterhose, aber mit Jeanskutte zu sehen ist.

Mein erster Eindruck von Grillmaster Flash war: Wow, der Mann ist selbstbewusst wie Hulle, unglaublich authentisch, ein Prolet halt, der aber tonnenweise Druck mit seiner Musik verteilt und es einfach macht: Sich in Szene setzen, Fans begeistern und gewinnen, Party, Kneipenkonzerte, Saufen, Dosenraviolis essen. Später fiel mir auf, das da doch ein bisschen mehr hintersteckt. Ich bin mir sicher, Grillmaster Flash ist eigentlich ein sensibler sehr ernsthafter Typ, der sich genau überlegt, was er macht, und der das Laut-Sein ablegen kann und mit viel Bedacht Texte schreiben kann, Songs und Videos produzieren kann und der darauf achtet, dass seine Gitarre gestimmt ist und nicht einfach nur von Hartz IV lebt, sondern der garantiert noch einem Job nachgeht, weil er eigentlich vernünftig und gar nicht „Rock ‚N‘ Roll“ ist.